Die Mondnacht

September 3, 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

 

 

heute möchte ich euch wieder über ein Gedicht erzählen, das auch von vertont wurde und nicht nur als Gedicht, sondern auch als Lied zu den schönsten Stücken der zählt, die ich kenne:

 

 

Die Mondnacht von Joseph von Eichendorff. Er hat es 1837 veröffentlicht und gilt ist ein typisches Werk der Romantik. Ich kenne das Gedicht schon mein ganzes Leben lang, da es eines der Lieblingsgedichte meiner Mutter ist, die es immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten rezitierte. 

Vertont wurde es von Robert Schumann. Ich werde euch zur Vertonung wieder einige Links in die Shownotes geben. 

Aber hier nun das Gedicht selbst:

 

 


Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.


Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.


Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

 

 

 

Wie ihr hört handelt es sich um ein Naturgedicht. Er beschreibt einen Moment, den ich als Ewigkeitsgefühl ausdrücken möchte. Ich weiß nicht, ob ihr das schon erlebt habt, aber es gibt so Momente, da hat man das Gefühl von Ewigkeit. Da stimmt einfach alles und man möchte nichts mehr hinzufügen und nichts wegnehmen. Da stimmt die Balance von innen und außen und ist absolut Deckungsgleich und das fühlt sich für mich wie Ewigkeit an. 

Dieses Gedicht und auch die Vertonung von Robert Schumann, beschreiben eben solch einen Moment. 

Er nimmt das Bild, das eigentlich schon seit der Antike existiert, dass der Himmel, Ouranos, die Erde, Gaja, küsst und sie in diesem Kuss in eine blühende Extase gerät, deren Wirkung lange noch anhält, durch den Blüthenschimmer ausgedrückt wird. Dieser Moment erinnert mich stark an ein Gedicht, das ich auf altgriechisch auswendig lernte. Man schreibt es Platon zu.

 

„Du betrachtest die Sterne, mein Stern. Ach, wenn ich doch das Weltall wäre, sodass ich mit tausend Augen auf dich sehen kann.“

 

"αστερασ εισαθρεισ, αστηρ εμος! ειθε γενοιμεν ορανοσ, ως πολλοις ομασσιν εισ σε βλεπω!"

 

Die zweite Strophe mutet wie ein sanftes Streicheln des Windes an, der die Natur streift und streichelt im Lichte der Sterne. 

Und die Seele entspannt sich in dieser liebevollen Umarmung der Natur mit dem Sein so sehr, dass sie sich so geborgen fühlt wie zu Hause, eben wie Ewigkeit.

 

 

Soweit meine Interpretation.

 

 

 

Damit wünsche ich euch einen wunderschönen Abend, eine gute Nacht oder einen wundervollen Morgen!

 

Eure 

Barbara Marie-Louise Pavelka

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